Das ökonomische Prinzip und die Weltrettung

Ich sitze hier am 12. Mai an meinem Computer, in den ersten Tagen meines neuen Lebensjahrzehnts. Und ich sinniere darüber, warum es in den Social Media so viele Gruppen gibt, die unsere Wirtschaft ablehnen und bei denen Weltfrieden aus Hetze besteht gegen „die da oben“, utopischen Gedanken einer Welt ohne Geld, wo alle das bekommen, was sie sich wünschen. Arbeit ist „Sklaverei“ heißt es dort. Es sei genug da, wenn die Ausgaben für die Rüstung aufgegeben oder einfach nur „umverteilt“ würde. Bei meinem heutigen Halbmarathon hat mich das auch sehr beschäftigt.
Ökon. Prinzip
Was denke ich mit meinen nun 70 Lebensjahren über solche Konzepte, die dem Paradies entstammen können? Aber wo wir leider nicht mehr leben. Hier in Deutschland ist das Leben bei „30 % von Armut geprägt“. Nach den offiziellen Statistiken seien es ca. 17 % – aber solche Statistiken werden natürlich abgelehnt.
Ich meine dazu: Mangel und Knappheit als Begriffe dafür, dass die vorhandenen Mittel geringer sind als die Wünsche und Bedürfnisse gilt sogar für 90 % der Bevölkerung, angefangen vom Eigenheim, dem größeren Auto, der Urlaubsreise, der Ausbildung der Kinder etc.
Und jetzt kommt das wirtschaftliche Denken ins Spiel, das sogenannte ökonomische Prinzip:
Danach muss immer der Aufwand mit dem Ertrag verglichen werden. In der Mathematik ist das in Form eines Bruchs. Und dieses wirtschaftliche Denken hat uns in den vergangenen 200 Jahren einen nie dagewesenen materiellen Wohlstand für die breite Bevölkerung gebracht. Mit ständiger technischer und organisatorischer Innovation.
Das brauchen wir weiter für Deutschland und das brauchen wir verstärkt für die ganze Welt. Wobei wir „nur“ durch geeignete Vorgehensweisen (Aufgabe des Staates) sicherstellen müssen, dass zum Aufwand auch Nebenwirkungen in Form von Luftverunreinigungen, Landschaftsverunreinigungen, Müllentsorgung, Wasserbeeinträchtigungen etc gerechnet werden. Diese Dinge müssen einen Preis bekommen und in die Kosten eingehen. Wirtschaftliches Denken liefert uns das Steuerungsinstrument dafür. Aber die Tücke liegt da immer im Detail und pauschale Verdächtigungen helfen nicht weiter.
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass wir uns in Deutschland Militärausgaben leisten können, wenn wir das wollen. Oder Kultur- und Sportförderung. Wenn wir dies weglassen oder verringern, könnten die Steuern sinken oder die Sozial- oder Gesundheitsausgaben steigen (die Renten, die Pflege, etc.). Oder auch die Bildung. Da gehen die Meinungen auseinander, aber es liegt ganz in unserer Hand. Wir können auch Schlaglöcher auf den Straßen füllen. Wir können für diese Zwecke auch die Reichen stärker besteuern (nicht zuviel, sonst ziehen einige weg und lassen ihre Firmen hier verkümmern… Arbeitslosigkeit entsteht). Hier werden die Meinungen schnell auseinandergehen.
Was wir kaum können: dieses mehr „verfügbare“ Geld nach Afrika schicken und erwarten, dass es diesen dann dort besser geht und die Wirtschaft dort aufblüht. Dort mehr Arbeitsplätze entstehen. In 60 Jahren Entwicklungshilfe ist auf volkswirtschaftlicher Basis noch nicht viel Erfolg erzielt worden.
Mehr Erfolg hatten die Direktinvestitionen der Unternehmen durch Produktionsverlagerung in die sog. Billigländer. Ca 700 Millionen Menschen seien in den letzten 15 Jahren aus der Armut geholt worden.
Mit fällt dazu spontan eine Passage aus dem Manuskript meines Weltrettungsbuches ein. In einem Gespräch mit den Protagonisten Roderich (reichster Mensch der Welt, Unternehmer, Erfinder) und Siggi (Finanzchef) geht es um die Organisation der Weltrettung als Stiftung. Und die neu hinzugekommene Heldin Thora (bisher bei den Globalisierungskritikern ATTAC tätig) verlangt:
„Warum sprichst du nicht von Renditeorientierung, mein Schatz. Die Stiftung soll durchaus eine Rendite abwerfen, aber weniger in Geld. Mehr im Sinne der von Siggi in Form einer Scorecard vorgestellten Indikatoren. Habe ich denn meine Lektion die ganzen Wochen hier nicht verstanden? Wir rechnen auch, wir rechnen sogar besonders verantwortungsvoll. Wir rechnen mit den wichtigsten Komponenten des Planeten: mit Sterblichkeit, Kinderversorgung. Bildungsgrad, Ressourcenverbrauch und Energie, mit Landschaftspflege und Sicherheit in Stadt und Land, inkl. Rechtssicherheit etc.“

Was ich mit wirtschaftlichem Denken ausdrücklich nicht meine ist die reine Geldgier. Geld kann sich nicht über Nacht beim Schlafen vermehren. Geld ist nur eine Recheneinheit. Geld – nur umverteilt – bewirkt idR Konsum, aber keine dauerhafte Zunahme der Produktivität und damit der materiellen Grundlagen für die gesamte Bevölkerung. Für nachhaltigen Nutzen muss Geld bzw. Kapital intelligent investiert werden, damit Arbeitsplätze und wachsender Wohlstand daraus resultiert.
Hier noch ein Foto von meinem Halbmarathon heute. Auf den 21 km habe ich über diese Themen nachgedacht. Und vorher über Lautsprecher verkündet: es kann dauern, bis der Frieden kommt. Ich wusste doch, dass ich eher hinten bin – obwohl ich heute der 2. in meiner Altersklasse wurde.
Es hat einiges genieselt beim Lauf. Da waren auch schon innere Widerstände zu überwinden. Und so ist das auch mit Weltrettung und Frieden – die wichtigsten Widerstände liegen in uns selbst!
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